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Industriekletterer
Wer Industriekletterer werden möchte, der muss einen Grundlehrgang absolvieren, der um eintausend Euro kostet. Die nötige Ausrüstung zur Ausübung des Berufes muss ebenfalls meist selbst gestellt werden, wenn nicht der Arbeitgeber dafür aufkommt. Die Kosten dafür belaufen sich noch einmal ungefähr in derselben Höhe. Gewerbekletterer, wie die Industriekletterer häufig auch genannt werden, werden unter anderem bei der Fassadenreinigung, bei der Fensterreinigung an Hochhäusern oder bei der Taubenabwehr und den damit verbundenen nötigen Arbeiten eingesetzt. Im Straßenbau werden sie zur Baumpflege und dem Verschnitt der Alleebäume eingesetzt. Das Arbeitsfeld gestaltet sich also recht vielseitig, Industriekletterer kommen in den unterschiedlichsten Gewerken zum Einsatz. Voraussetzung ist neben dem Absolvieren des Grundlehrganges aber auch ein diesbezügliche fachliche Ausbildung, wie zum Beispiel zum Maurer, zum Zimmerer, zum Maler oder zum Metallverarbeiter. Ohne eine solche Ausbildung wird niemand eine Anstellung als Fassadenkletterer finden. Eine gute körperliche Konstitution ist natürlich eine weitere Voraussetzung für die Arbeit hoch oben in den Lüften. Der Vorteil des Einsatzes eines Industriekletterers liegt darin, dass er flexibel eingesetzt werden kann und nicht so stark an örtliche Gegebenheiten gebunden ist, wie ein technisches Gerät.
Die Geschichte der Industriekletterei liegt rund 35 Jahre zurück und beginnt in England. Hier wurden Bohrinseln errichtet, gewartet und saniert, was britische Alpinisten dazu veranlasste, mit verschiedenen Techniken mit Seilen zu arbeiten. Hier entstand auch das Verfahren unter Verwendung eines zweiten Sicherungsseiles, wie dies noch heute üblich ist. Später wurde ein eigener Verband für die Industriekletterer gegründet. Heute sind hier über 12.000 Industriekletterer registriert.
Vor rund zwanzig Jahren wurde die Technik von der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik verwendet. Die Plattenbauten waren zu der Zeit stark sanierungsbedürftig und so wurden Fassadenkletterer für diese Sanierung eingesetzt. Der Grund lag vor allem darin, dass es kaum Gerüste und Hebebühnen in den benötigen Mengen gab. Nach der Wende wurde die Industriekletterei erst einmal auf Eis gelegt, denn diese Form der Arbeit wurde durch den Arbeitsschutz verweigert.
Seit etwa 1995 entwickelte sich die Fassadenkletterei weiter, nicht zuletzt durch die Künstler Jeanne-Claude und Christo bei der Verhüllung des Reichstages. 1997 wurden sogar Richtlinien und Bestimmungen für die Ausbildung von Industriekletterern herausgegeben, damit wurden die Bedenken verschiedener Ämter zerstreut und die Vorteile einer solchen Arbeitsweise wurden anerkannt. Seit diesem Jahr kann jeder eine Ausbildung zum Industriekletterer machen, wenn er die oben bereits angeführten Anforderungen erfüllen kann. Sie müssen dabei nachweisen können, dass sie in der Lage sind, die geforderten Arbeiten zu erledigen, ohne sich selbst und andere in Gefahr zu bringen. Industriekletterer sind inzwischen in ganz Europa zu finden, nicht mehr nur in Mitteleuropa.

 

 

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