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Sehenswürdigkeiten in Andalusien

 

- Ronda und Tajo Schlucht

 


Die kleine, pittoreske Stadt Ronda mit ihrer maurisch anmutenden Altstadt kann man getrost als Geheimtipp nennen, wenn von den Sehenswürdigkeiten Andalusiens die Rede ist. Rainer Maria Rilke, ein großer Freund des Stiekampfs, nannte Ronda "die geträumte Stadt" und James Joyce lässt sich seinen Antihelden Leopold Bloom im Roman "Ulysses" an Ronda erinnern. Doch die beeindruckendste Hommage an Ronda hat Ernest Hemingway in seinen Romanen "Tod am Nachmittag" "Fiesta" und "Gefährlicher Sommer" hinterlassen.

 

In den 50er Jahren besaß fie Hollywooddiva Ava Gardner eine Villa in Ronda, wo sie unter anderem Frank Sinatra beherbergte. 1984 war die Stadt Drehort für die Verfilmung von Bizets "Carmen", wobei unter anderen Startenor Placido Domingo mitwirkte. Eine besondere Rolle spielt Ronda in der Welt des Stierkampfs, es waren Matadore aus Ronda, die im 18. Jahrhundert den Stierkampf zu Fuß entwickelten. Spanische Aristokraten bekämpften die nur auf der iberischen Halbinsel heimischen Wildrinder als Sport, und bei einer solchen Veranstaltung wollte der Torero Pedro Romero einen gefallenen Rejoneador mit seinem Cape schützen und ließ den Stier immer wieder passieren, so dass die Menge so begeistert war, dass sie weitere Darbietungen sehen wollte.

 

Ronda wurde zum Synonym eines Stils, der die Tragik und Gefahr betonte, und zahlreiche Matadore stammten aus Ronda wie Pedro, Pablo und Juan Romero und Cayetano und Antonio Ordonez. Hemingway liebte Ronda, und es war ein Matador aus diesem Ort, der ihn 1959 noch einmal in Francos Spanien und zum Stierkampf lockte. Für die Zeitschrift Newsweek sollte "Papa" Hemingway über den Konkurrenzkampf der beiden Starmatadore Luis Miguel Dominguin und Antonio Ordonez berichten. Daraus ging Hemingways letzter Roman "Gefährlicher Sommer" hervor, das große Showdown zwischen Ordonez und dem Lieblingsmatador des "Caudillos" findet in der Arena von Bilbao unter den Augen von Pablo Picasso und Dona Carmen Pollo de Franco statt.

 

Hemingway reiste gemeinsam mit Ordonez durch Spanien, und er beschreibt, dass es ihm etwas peinlich war, die Ehrung der Stadt Ronda im Polohemd entgegen nehmen zu müssen. Besonders faszinierte ihn die Stierkampfarena von Ronda aus dem 18. Jahrhundert. In den alten Zeiten, als die Pferde der Picadores noch nicht mit Matrazen geschützt waren, wurden die getöteten Pferde in die Tajo Schlucht geworfen, und an Tagen der Corrida sollen die Bussarde in Erwartung eines Festmahls über der Stadt gekreist haben. Hemingways Faszination für den Tod verdankt Ronda eine ganz eigene Hommage, die ihm Hemingway in "Wem die Stunde schlägt" gesetzt hat.

 

Im 10.Kapitel erzählt die Freischärlerin Pilar wie dort die Guardia Civil und die örtlichen Faschistenführer massakriert wurden. Das Volk bewaffnete sich mit Stöcken und Dreschflegeln und warf die Faschisten in die Tajo Schlucht. Ronda war übrigens ein Zentrum des antifaschistischen Widerstands, und noch in den 50er Jahren setzten einige Bewohner den Guerillakrieg gegen Franco fort.

Wer die Stadt und ihre Umgebung auf Streifzügen erkundet, wird sich immer wieder an Hemingways Erzählungen erinnern. Die Tajo Schlucht lässt sich heute auch von oben bewundern, denn eine neue Brücke verbindet seit einigen Jahren die Alt- und die Neustadt. Wer sich für die Geschichte der Corrida interessiert, sollte nicht versäumen, dem Stierkampfmuseum von Ronda einen Besuch abzustatten. Im Eintrittspreis ist auch die Besichtigung der Arena aus dem 18. Jahrhundert enthalten.

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